The Way of the Word

20. June 2011

Im Zeichen von Kamel und Elefant

1995 besuchte ich Schottland. Die Gegend beeindruckte mich so sehr, dass ich ein paar Reiseartikel verfasste. Die nie veröffentlicht wurden. Auf der Suche nach anderen alten Werken stieß ich neulich auch auf diese Artikel, die ich den Lesern nicht vorenthalten möchte.

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Jeder hat schon von Inverness gehört. Es ist die Stadt am See mit dem angeblichen Monster, die Stadt am Loch Ness.

In gewissen Weise stimmt das. Inverness liegt am Fluß Ness, der in den Loch Ness fließt.

Inverness hat jedoch auch andere Seiten, von denen der durchschnittliche Tourist wenig bis nichts weiß. Oder wussten Sie, dass die Wappentiere von Inverness ein Kamel und ein Elefant sind? Das Wappen der Stadt ist am Gebäude des Tourist Information Centre angebracht. Warum Inverness gerade diese für Nordeuropa ungewöhnlichen Tiere im Wappen trägt? Darauf kommen wir später zu sprechen.

Das Tourist Information Centre im Stadtzentrum von Inverness ist der geeignetste Anlaufpunkt für alle Fragen zu möglichen Touren und Aktivitaten. Die meisten Veranstalter haben ihre Tour so eingerichtet, dass man die Tour am Tourist Information Centre beginnen kann.

Das Zentrum vom Inverness ist relativ klein. Selbst zu Fuß kann man die meisten wichtigen Punkte, wie z.B. die Einkaufspassage, den Bahnhof oder den Hafen innerhalb weniger Minuten erreichen.

Inverness ist der drittgrößte Ort in den Highlands. Trotzdem hat es nicht den Rang einer “City,” sondern ist nur eine “Town.” Der Grund? Eine “City” muß eine fertige Kathedrale aufweisen. Nahe des River Ness steht eine unvollendete Kathedrale, der nur die Türme fehlen. Angeblich ist der Boden zu instabil, um den Bau fertigstellen zu können. Aufgrund dieser Formalität muß Inverness immer eine Town bleiben.

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Loch Ness ist die Bekannteste unter den verschiedenen Touristenattraktionen, die die Gegend um Inverness zu bieten hat. Entsprechend gibt es sehr viele Angebote, die sich Nessies Umfeld zunutze machen.

Zwei Veranstalter, Inverness Traction und Jacobite Cruises, bieten fast identische Fahrten um und über Loch Ness an.

Die Coach & Cruise von Jacobite Cruises beginnt mit einer Busfahrt am Ufer des Loch Ness. Der erste Halt ist die seit 1980 bestehende Official Loch Ness Monster Exhibition in Drumnadrochit. Die Besichtigung dieser Ausstellung ist im Preis inbegriffen. Anschließend geht es zur Ruine von Urquart Castle; die Besichtigung dieser Ruine ist ebenfalls im Preis inbegriffen. Von Urquart Castle aus geht es mit dem Schiff über Loch Ness und den Caledonian Canal zurück nach Inverness. Diese Tour dauert ca. 3 1/2 Stunden.

Inverness Traction bietet eine Halbtags-Tour an, die mit dem Angebot von Jacobite Cruises fast identisch ist. Der größte Unterschied: Die Tour von Inverness Tractions wird von einem Führer begleitet, der den Fahrgast auf alles Sehenswerte aufmerksam macht und die Bedeutung erklärt. Bei Jacobite Cruises hingegen erhält der Fahrgast keinerlei Erläuterungen.

Inverness Traction bietet darüber hinaus eine Ganztags-Tour an, die auch ausführlich auf andere Sehenswürdigkeiten um Loch Ness herum eingeht, sowie (in den Sommermonaten) eine Abendtour, die jedoch nur den Eintritt (im Preis nicht enthalten) in der Official Loch Ness Monster Exhibition beinhaltet.

Die originellste Loch Ness-Tour bietet das Loch Ness-U-Boot Swatch. Es liegt am Steg vor dem Clansman Hotel zwischen Inverness und Drumnadrochit. Mehrmals am Tag legt die Swatch ab und führt den Fahrer und 5 Passagiere eine Stunde lang durch die Unterwasserwelt von Loch Ness. Eine Fahrt mit dem U-Boot ist recht teuer, und man muß sich seinen Platz im Voraus reservieren. Aufgrund der wenigen Plätze pro Fahrt ist die Swatch trotz des hohen Preises häufig ausgebucht.

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Auch Gordon’s Adventure Tours und Peter Forbes Tours bieten Ausflüge um den Loch Ness. Diese Touren sind jedoch sehr viel rustikaler als die oben genannten. Gordon’s Adventure Tours sind z.B. kombinierte Kleinbusfahrten/Wanderungen, mit Führer, durch die Gegend um Inverness. Der Kleinbus dieses Veranstalters fasst nur 13 Passagiere; diese Anzahl ist das Limit pro Tour. Samstags/Sonntags bietet Gordon’s Adventure Tours ein anderes Programm als Wochentags. Diese Ausflüge sind sehr beliebt.

Passen Sie auf, wann Sie buchen. In den Highlands gibt es keinen langen Donnerstag. Stattdessen schließen die Läden früher, und auch einige der Veranstalter (darunter Peter Forbes Tours) bieten am Donnerstag Nachmittag keine Ausflüge an.

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Die seit 1980 bestehende Official Loch Ness Monster Exhibition in Drumnadrochit ist eine ausführliche Ausstellung zur Geschichte nicht des Ungeheuers von Loch Ness, sondern zur Suche nach dem Ungeheuer. Die Ausstellung ist eine audiovisuelle Präsentation der Beobachtungen und Forschungen die angestellt wurden, um das Rätsel hinter Nessie zu lösen. Die Ausstellungsstücke werden durch eine präzise getimte Tonbandpräsentation, die den interessierten Besucher von Raum zu Raum begleitet, erklärt. Für Besucher, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, gibt es an der Kasse begleitendes Informationsmaterial in verschiedenen Sprachen. Die gesamte Präsentation nimmt ca. 40 Minuten Zeit in Anspruch. Die Ausstellung ist sehr neutral gehalten und macht keine Aussage darüber, ob es Nessie nun gibt oder nicht. Sie berichtet lediglich ・er die Suche nach dem Rätseltier.

Bei der Official Loch Ness Monster Exhibition gibt es auch den (unvermeidlichen) Souvenirladen und ein Hotel.

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Eine der besten Möglichkeiten, Inverness zu erkunden, bietet der Guide Friday Tour Bus: Ein oben offener Doppeldecker-Bus, der eine Stadtrundfahrt mit Führung anbietet. Bei Guide Friday muß nicht im Voraus gebucht werden, man steigt an einer der verschiedenen Haltestellen einfach in den Bus ein. Wenn man eine der Sehenswürdigkeiten genauer betrachten will, steigt man aus und fährt mit einem der späteren Busse, die im 45 Minuten-Takt fahren, weiter. Das beim ersten Einsteigen gelöste Ticket bleibt den ganzen Tag gültig. Dadurch ist Guide Friday eine recht effiziente Möglichkeit, die Stadt und die Umgebung kennen zulernen. Denn Guide Friday Tours fäh nicht nur durch die Stadt; auch das Culloden-Schlachtfeld gehör zur Guide Friday-Route.

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Am 16. April 1746 fand auf dem Drumossie Moor, das heute als Culloden bekannt ist, die letzte Schlacht auf britischem Boden statt. Die Feldherren waren William of Cumberland auf Seiten der Engländer und Charles Stuart, “Bonnie Prince Charlie” für die Schotten.

Die Schotten verloren.

Obwohl die Schlacht bei Culloden eine Niederlage war, gehört das Schlachtfeld heute noch zu den Sehenswürdigkeiten der Gegend. Der National Trust of Scotland ist gegenwärtig damit beschäftigt, das Feld in den Zustand zurückzuversetzen, in dem es sich vor 250 Jahren befand.

Culloden gehört zur Guide Friday Tour, es ist von Inverness ab allerdings auch mit einem normalen Linienbus zu erreichen. Im Visitor Centre findet man außer dem unvermeidlichen Souvenirladen auch eine erklärende Ausstellung. Außerdem findet in regelmäßigen Abständen eine Video-Präsentation statt, die die Schlacht und die Hintergründe erklärt.

Als Besucher kann man das Schlachtfeld auch allein begehen und erkunden. An allen wichtigen Schauplätzen der Schlacht sind Tafeln angebracht, die kurz darstellen, wer wo stand. Empfehlenswert ist jedoch die Führung über das Schlachtfeld, die viel besser vermitteln kann, was wo wie und warum geschah.

1996 war der 250. Jahrestag der Schlacht von Culloden.

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Nicht mit dem Guide Friday-Bus, aber mit der gleichen Buslinie, mit der man auch nach Culloden kommt, kann man Cowter Castle erreichen. Cowter Castle ist allgemein auch als “das Macbeth-Schloß” bekannt. Auch heutzutage ist Cowter Castle noch etwas besonders, jedoch aus einem anderen Grund: es ist das einzige Schloß in England, das seinen Erhalt durch die Besichtigungen finanzieren kann. Der Schloßherr selbst führt die interessierten Besucher auf amüsante Weise durch das Schloß.

Außerdem soll es dort spuken.

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Wesentlich spannender als eine Fahrt über Loch Ness ist eine Fahrt  über Moray Firth: dort gibt es die versprochenen Tiere tatsächlich. Moray Firth ist der nördlichste Punkt, an dem Delphine zu sehen sind. Auch Minkwale, Seehunde und Kormorane kann man, mit etwas Glück, dort sehen. Das Wort Firth kann man übrigens am besten mit “Fjord” ・ersetzen.

Am nödlichen Ufer steht das Dolphin & Seal Centre. Dort kann man etwas über die Lebensgewohnheiten der Delphine erfahren. Man kann sie beobachten, und über Unterwassermikrophonen ihren Gesängen zuhören.

Oder man macht eine Fahrt über Moray Firth, entweder mit Moray Firth Cruises oder mit MacAuley Charter. Keiner der Veranstalter kann garantieren, dass Sie tatsächlich Delphine zu sehen bekommen, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch recht hoch. Ein Tip: machen Sie die Fahrt vormittags und bei gutem Wetter; dann sind die Delphine aktiver.

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Wie bereits erwähnt, sind die Wappentiere von Inverness das Kamel und der Elefant. Für einen Ort in den schottischen Highlands sind diese Tiere recht ungewöhnlich. Sie finden ihren Ursprung in der Bedeutung, die Inverness einst als Handelsstadt hatte. Damals war Inverness ein Umschlagplatz für Waren aus den entferntesten Ländern. Einschließlich solcher Länder, in denen es Kamele und Elefanten gab. Das Wappen reflektiert diese Bedeutung.

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1 Comment »

  1. http://www.jesuistetra.com

    Im Zeichen von Kamel und Elefant | The Way of the Word

    Trackback by www.jesuistetra.com — 5. May 2017 @ 20:16


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